Leistungskurs Wirtschaft - Peer
zurück

Anfangs, d.h. in der 12. Klasse, waren die Fronten noch verhärtet. Der Kurs teilte in zwei Fraktionen. Also blicken wir durch die Augen unseres Lk-Leiters in die Klasse. War die linke Seite doch alt bekannt (sie konnten ihn schon seit der 10. Klasse genießen), kam eine aufrührerische, rechte (es ist immer noch die Sitzordnung gemeint), auf Dittl- ver-schworene-Partei hinzu, die durch die Neutralen (nicht Wirtschaftszweigler) erweitert wurde. Die Linken konnten unbeachtet auf den Tischen tanzen, während die geringste Konversation der gegenüberliegenden Seite sofort harsch durch Aussprüche wie z.B. "Wenn's euch net interessiert, dann geht halt!" lautstark unterbunden wurde. Und auch als es sich bereits abzeichnet, dass manche die 12. Klasse noch nicht verlassen wollen, wurden diese am morgen besonders herzlich begrüßt. Wodurch sich die zwei Seiten nicht unbedingt annäherten. Sprüche wie "Peter, hast du dich nicht im Zimmer geirrt?" standen auf der Tagesordnung. Außerdem Maßnahmen wie das Entfallen der dringend benötigten Zäsur oder diktatorische Hefteinträge ("Könnten Sie das bitte noch mal wiederholen?" - "NEIN!") bis uns die Finger krachten, waren gang und gebe. Es wird vermutet, dass diese extremen Stimmungsschwankungen auf den Familienzuwachs zurückzuführen sind, sodass der Eindruck erweckt wurde, dass er die Rolle seiner Frau mitsamt den Gemütslagen übernommen hatte.

Bild in groß anzeigen Somit wuchs die Freude über die Sommerferien enorm an, endlich wieder in den Genuß einer Wirtschaftsstunde zu kommen. Doch unsere Befürchtungen wurden erstaunlicherweise nicht Realität. Anscheinend hat sich eine gegenseitige Gewöhnung, ohne dass es uns aufgefallen ist, vollzogen. Diese positive Entwicklung wurde vielleicht auch durch die bedauernswerte Verabschiedung einiger Mitkollegiaten unterstützt. Auf jeden Fall entwickelte sich gleich Anfang der dreizehnten ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zu unserem Lehrer (ja, wir reden immer noch vom Herrn Peer aus der 12.). So hatten wir doch viel Spaß den Anekdoten, die auf seiner reichhaltigen Lebenserfahrung basieren, zu lauschen, wobei mindestens jede zweite unter Beweis stellte, wie groß so ein Handballverein sein muß.


Also wissen wir z.B. auch wie Herr Peer, über viele Umwege, zu dem Beruf des Lehrers gekommen ist ("Ich wäre jedem ins Gesicht gesprungen, der mir damals gesagt hätte, daß ich Lehrer werde."). Zuerst ging er der Wehrpflicht nach ("Der Leo 3 geht sogar mit Sperre 80 im Gelände, da merkt man dann auch nicht mehr, wenn ein Baum kommt".), und hätte diese am liebsten als Offizier fortgesetzt, was er jedoch aufgrund verschiedenster Studiengänge kurzerhand verworfen hat (Studium der Geschichte, Geographie und angefan-gene Lehre bei Vedes als Industriekaufmann) und letztendlich im Lehramtsstudium endete. Und auch uns kommt diese Wahl zugute, da er aufgrund seines eigenen Interesses, den Lehrstoff anschaulich vermitteln kann. Um etwas Farbe in den tristen Schulalltag zu brin-gen, erfreut er uns täglich mit einem neuen Paar lustiger Socken (nach der Art "I am the chef.") aus seinem reichhaltigen Sortiment.

Den aktuellen Bezug sucht er im Gespräch mit ausgewählten Kandidaten. So ist z.B. in FCN-Fragen Pierre sein Ansprechpartner (und war er nach einem FCN-Duell nicht da, "hat er wohl das Spiel nicht verkraftet"). In Sachen Börse und Aktien war wahrscheinlich Marcel der einzige, der mit ihm fachsimpeln konnte. Um jedoch den elitären Kreis zu erweitern wurden sämtliche Jungs zum Thema Autos ("Ich hätt' ein paar Schneeketten zu verkau-fen".) mit einbezogen, was den vier Mädchen nur ein müdes Lächeln entlocken konnte.

Jedoch soll hier nicht der Anschein erweckt werden, dass der Unterricht nur aus lockeren Gesprächen bestand, denn konnten wir doch bereits im November unser 50-blättriges Ju-biläum (alle aus 13/1!) feiern ("Nehmt ihm die Kopierkarte weg!"), was nicht auf reiner Bosheit beruht, sondern nur als Ergänzung seiner telefonnummerartigen Überschriften-nummerierung (z.B. 3.6.4.1.4.1 WTO) und seiner teilweise konfusen Hefteinträgen (tschul-digung Herr Peer) gedacht war. Waren seine Klausuren auch stets anspruchsvoll, so sollten sie uns doch nur auf das Abi-tur vorbereiten. Z.B. weigerte er sich standhaft unsere Fragen zur Klausur zu beantworten ("Im Abitur darf ich auch nichts sagen!"). Worauf wir von Schülerseite dankbar den Aus-schank von "ups" und das Essen von Lebkuchen pflichtbewußt kritisieren müssen, da dies wahrscheinlich im Abitur auch nicht erlaubt ist .

Auch wenn sowohl Schüler als auch unser Kursleiter mit leichten Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatten, blicken wir auf zwei Jahre (vor allem auf das letzte) voller lehrreicher und dabei unterhaltsamer Stunden zurück, die uns in guter Erinnerung bleiben werden.

Sabine, Carolin und Marcel (die Überlebenden von der rechten Seite)

Zusatz der während einer kurzen Erzähleinheit von Herrn Peer entstand (Verfasser Wolfgang):
In seiner Jugend / Vorlehrerzeit war Herr Peer schon alles und jeder, ein echter Supermann. Zwar kennt jeder im Kurs schon alles wissenswerte über sein Sportlerherz oder seine überragenden Leistungen in sämtlichen Leistungsabnahmen, die er je abgeliefert hat, doch würde man sich hüten einen seiner verschlingenden oder mitreißenden Flash-backs zu unterbrechen - schon allein aus Furcht vor "Klassenkeile". Außerdem erfährt man stets ein neues interessanten Detail.

zurück